Konzept
 

Projekt

 

 

Idee

Konzeption und Träger

Förderbedarf

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zwei totalitäre Diktaturen im 20. Jahrhundert

 

 

 

 

 

1989:
Erfahrung von Freiheitskampf und überwundener Gewalt

 

 

 

Kanon von Erinnerung

Literatur:

Dan Diner Das Jahrhundert verstehen. Eine universalhistorische Deutung (1999), Frankfurt/M. 2000, vor allem S. 219-249.

 

 

 

Literatur:
Martin Sabrow u. a. (Hg.): Wohin treibt die DDR-Erinnerung. Dokumentation einer Debatte. Bonn 2007.DDR-Geschichte im Unterricht. Schulbuchanalyse - Schülerbefragung - Modellcurriculum. Hg. von Ulrich Arnswald, Ulrich Bongertmann und Ulrich Mählert. Berlin 2006.Ulrich Arnswald: Zum Stllenwert der DDR-Geschichte in schulischen Lehrplänen. In: Aus Politik und Zeitgeschichte B 41-42/2004, S. 28-35.DDR-Geschichte vermitteln. Ansätze und Erfahrungen in Unterricht, Hoschullehre und politischer Bildung. Hg. von Jens Hüttmann, Ulrich Mählert, Peer Pasternack. Berlin 2004.

 

Zum Stellenwert des themas DDR-Geschichte in den Lehrplänen der deutschen Bundesländer. Eine Expertise im Auftrag der Stiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur von Dr. Ulrich Anrswald. Deutsches Institut für Internationale Pädagogische Forschung. Berlin 2004.

 

Anne Kaminsky: Die Diskussion über die Opfer des Stalinismus in der gegenwärtigen deutschen Erinnerungskultur. In: Bernd Faulenbach / Franz Josef Jelich (Hg.): „Transformationen“ der Erinnerungskulturen in Europa nach 1989. Essen 2006, S. 381-397.

 

„Vetorecht der Quellen“

 

Defizite und Lücken

 

Literatur: Monika Deutz-Schröder / Klaus Schroeder: Soziales Paradies oder Stasi-Staat? Das DDR-Bild von Schülern – ein Ost-West-Vergleich. Stamsried 2008.

 


Lehrplan Geschichte NRW(1999)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Weitere Partner

 

 

IDF Bochum

 

 

 

 

 

 

 

Matrix der modularen Struktur

 

 

 

 

 

Angebote vonZeitzeugen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Internetangebot

 

 

 

 

Modulstruktur

 

 

 

 

 

Geplante Module

 

 

 

„DDR-Knast“

 

 

 

 

 

 

Mauern und Ausbrüche

 

Gewalt und Alltag

 

Opposition

 

 

Aufarbeitung

Gewalt, Verfolgung und Freiheitskampf bezeugen –
Erinnerungen bewahren für eine lebendige Demokratie

Wissenschaftlich begleitete Zeitzeugengespräche mit ehemaligen politischen Häftlingen der SED-Diktatur
Ein Bildungsangebot für Nordrhein-Westfalen (Pilotprojekt)

Die Erfahrungen, Erinnerungen und bleibenden Eindrücke von Opfern der SED-Diktatur sollen für die politische Bildung in ganz Deutschland erhalten und genutzt werden. Sie geben wertvolle Impulse für die Bewahrung und weitere Entwicklung der Ideale einer freiheitlichen und demokratischen Gesellschaft. Auch im Bundesland Nordrhein-Westfalen, wo heute sehr viele Menschen leben, die gegen die zweite Diktatur in Deutschland im 20. Jahrhundert gekämpft und unter ihr gelitten haben, können besonders junge Menschen in der persönlichen Begegnung mit ihnen die Bedeutung von Menschenrechten und freiheitlichen Grundwerten lernen. Jüngste Forschungsergebnisse sowie der Beschluss der Kultusministerkonferenz vom Juni 2008 unterstreichen die Dringlichkeit dieses Befunds.

Eine solche vertiefte Auseinandersetzung mit der kommunistischen Diktatur vermittelt in anschaulicher und lebendiger Form unverzichtbares geschichtliches Orientierungswissen, und sie entwickelt ein Verständnis für die persönlichen Erfahrungen mit Gewalt und Unfreiheit in einer von diktatorischen Machtstrukturen beherrschten Gesellschaft. Damit knüpft das Konzept an das erfolgreiche Beispiel von Zeitzeugen der NS-Diktatur in Bildungsprozessen an. Sowohl für das Ziel der inneren Einheit in Deutschland als auch für die durch Osterweiterung gewachsenen Ansprüche an die Europakompetenz ist die vertiefte Auseinandersetzung mit der über 40jährigen kommunistischen Diktatur auch in den westdeutschen Bundesländern unverzichtbar.

Vorgeschlagen wird eine gestufte, wissenschaftlich begleitete Entwicklung und Durchführung von Veranstaltungen mit Zeitzeugen in Schulen (zunächst Sekundarstufe II) und Einrichtungen außerschulischer politischer Bildung (für Jugendliche und Erwachsene), sowie deren Präsentation im Internet mit der Möglichkeit von Diskussionsforen. Dabei kooperiert der das Projekt initiierende Opferverband (VOS, LV NRW) eng mit einem Forschungsinstitut der Region (IDF Bochum) zusammen. Weitere Opferverbände werden in die Arbeit einbezogen. Dadurch werden authentische Lebenszeugnisse mit historisch-politisch pluralen, aktuellen wissenschaftlichen Standards entsprechenden Erkenntnissen didaktisch aufbereitet. Interessierte Partner im Bildungsbereich können zielgruppenorientierte Modellangebote abrufen. Dafür wird auch seitens des Opferverbandes VOS im Internet und über andere Medien zielgerichtet Werbung betrieben.
Fördermittel werden zunächst bei der Landeszentrale für politische Bildung NRW und der Bundesstiftung für die Aufarbeitung der SED – Diktatur in Berlin für einen ersten Zeitbereich von 10 / 2008 bis 12 / 2010 beantragt.

I. Grundlegende Überlegungen

Europas Antlitz ist im Zwanzigsten Jahrhundert durch zwei totalitäre Diktaturen entstellt worden. Der Zivilisationsbruch durch die nationalsozialistische Gewaltherrschaft in Deutschland stürzte den Kontinent in die Tiefen von Völkermord und Kriegszerstörungen. Einverständnis herrscht bei allen guten Willens über die verpflichtende Aufgabe der Deutschen, das Gedächtnis an die Ermordung von Millionen deutscher und europäischer Juden und anderer Opfer (wie etwa Sinti und Roma) zu bewahren, ebenso wie an die terroristische Kriegsführung Deutschlands, an rassistische Willkür, Gewalt, Verfolgung und Vernichtung, auch an die Unterdrückung der eigenen Bevölkerung, die jeder politischen Mündigkeit beraubt wurde und schließlich dem Untergang preisgegeben wurde. Die Auseinandersetzung mit der NS-Zeit ist mit Recht verpflichtendes Element aller kulturellen und normativen Bildungsprozesse. Sie bedürfen intellektueller wie emotionaler Formen.
Seit langem ist die herausragende Bedeutung authentischer Begegnungen mit Opfern und Widerstandskämpfern (wie auch mit authentischen Orten der NS-Gewaltherrschaft) als stimulierendes Element schulischer und außerschulischer politischer Bildung erkannt worden. Sie leisten durch die lebensgeschichtliche Beglaubigung des historischen Urteils der Zeitzeugen einen Brückenschlag zwischen den Generationen. Aus natürlichen Gründen wird dies aber nur noch für wenige Jahre möglich sein; Personen, die bei Kriegsende 1945 über lebendige Erfahrungen von Diktatur, Verfolgung, Widerstand und Krieg verfügen, stehen jetzt zumindest im achten, bald im neunten Lebensjahrzehnt.
Es ist auch aus diesen Gründen anzuraten, in verstärktem Maße das bildende Gespräch nun zusätzlich mit Zeitzeugen zu suchen, die über die zweite Diktatur in Deutschland berichten können. In dieser Hinsicht ist eine weitere Überlegung wichtig: Während der Nationalsozialismus dem Kontinent und zumal auch Deutschland eine moralische und reale Trümmerlandschaft hinterlassen hatte, ging Europa 40 Jahre später aus der Überwindung der spät-stalinistischen Systeme des Sowjetblocks gestärkt hervor. Es verdankt dies der Erfahrung einer friedlichen Revolution der Menschen in der DDR, in Polen, Ungarn, der Tschechoslowakei und vielen anderen Ländern des „Ostblocks“, die nach Freiheit strebten und Gewalt überwinden wollten. Dass dieser Erfolg nicht von selbst kam, dass er den Menschen nicht gleich beim ersten Versuch, die kommunistische Parteiherrschaft abzuschütteln, in den Schoß fiel, sondern immer wieder neu sich an den Instrumenten der Macht brach – 1953 in Ost-Berlin und vielen Städten der DDR, 1956 in Budapest und Ungarn, 1968 in Prag und der Tschechoslowakei, 1981 in Danzig und Polen, um nur die wichtigsten, äußeren Schritte zu nennen – ist ebenso eine bedeutsame historische Lektion. Wie das Wissen um die Opfer des Nationalsozialismus und die Leistungen von Widerstand und Kampf gegen ihn zum verpflichtenden „Kanon von Erinnerung“ (Dan Diner) gehören, so verdienen auch die Opfer der kommunistischen Gewaltherrschaft ebenso wie die Menschen, die unterschiedliche Formen von Dissidenz, Opposition und Freiheitskampf gegen diese Diktatur praktiziert haben, der dauerhaften Integration in ein kollektives Gedächtnis der Demokratien.

Auf dem deutschen Boden, in der SBZ und DDR, hat die über 40 Jahre währende stalinistische Diktatur weniger blutige Opfer gekostet als die NS-Herrschaft in einer viel kürzeren Zeit zu verantworten hatte. Zu berücksichtigen ist auch Dan Diners Differenzierung zwischen dem „billigend in Kauf genommenen“ Tod von „Arbeitssklaven“ im Sowjetsystem und der Vernichtung „um der Vernichtung willen“ im Nationalsozialismus. Aber aus solchen und anderen berechtigten qualifizierenden oder quantifizierenden Differenzierungen des Terrors oder aus den zweifellos vorhandenen Unterschieden beider Diktaturen ist kein Argument zu gewinnen, um Leistung und Mut derer gering zu schätzen, die Leben und Freiheit in der Auseinandersetzung mit dem SED-Staat riskiert haben. Für die freiheitliche Gesellschaft und ihre demokratische Verfassung bleibt ihr Zeugnis vielmehr ein lebendiger Impuls, der in Bildungsprozessen fruchtbar gemacht werden sollte.

II. Die DDR-Geschichte im historisch-politischen Bewusstsein in Deutschland

Die wissenschaftliche, juristische und politische Aufarbeitung der SED-Diktatur sowie die richtigen Formen der kulturellen und gesellschaftlichen Beschäftigung mit der DDR-Vergangenheit stehen im Fokus aktueller geschichtspolitischer Kontroversen. Auch fast 20 Jahre nach dem Fall der Berliner Mauer entzieht sich DDR-Geschichte der abwägenden und neutralisierenden Historisierung, bleibt die Erinnerung an die DDR eine „Geschichte, die noch qualmt“. Auch sie ist weiter heiße, nicht kalte Erinnerung, d. h. sie bestimmt das Handeln und die Werthaltung nicht nur der Altersgruppen in Deutschland, deren DDR-Bild noch von lebendigen Erfahrungen geprägt ist.
Die durch Wahlerfolge auch in den alten Bundesländern untermauerte Aktivität einer politischen Kraft, die sich wenigstens partiell unmittelbar von der Herrschaftspartei der DDR ableiten lässt, trägt zur Brisanz dieser Problembündels bei. In wachsendem Maße nutzen auch politische Kräfte, die – vorsichtig formuliert: – das Grundgesetz und die freiheitliche Ordnung in Deutschland nicht ohne Einschränkungen unterstützen, die Möglichkeiten der pluralistischen Gesellschaft, sich Gehör zu verschaffen und für die eigene Welt- und Geschichtssicht zu werben. Dies geschieht übrigens oft unter dem Deckmantel „politischer Bildung“, zum Beispiel in Verbands- und Vereinsformen von Altkadern der SED. Es entsteht neben der sog. „Ostalgiewelle“ ein publizistisches Spektrum von Erinnerungsbildern, in denen die SED-Diktatur beschönigt, ihr Gewalt- und Unrechtscharakter geleugnet und ihre soziale Ordnung geradezu zum Vorbild des vereinten Deutschlands stilisiert wird.
In diesem Zusammenhang ist vor einem unreflektierten, kritiklosen Zeitzeugenbegriff zu warnen, der gerade auch von dieser Seite gern eingeführt wird. Der Anspruch auf persönliche Erfahrung und Erinnerung allein vermag noch nicht Glaubwürdigkeit in politisch-historischen Urteilen zu sichern. Aus diesem Grund scheint die unabhängige wissenschaftliche Begleitung von Zeitzeugenprojekten dringend geboten. Dabei sollte die Wissenschaft den Zeitzeugen als Partner und kritisches Korrektiv begleiten, ihn aber weder bevormunden noch ihn seiner eigenen Geschichte berauben. Umgekehrt muss der Zeitzeuge sich der Perspektive seiner Sicht bewusst sein. Beides bleibt wichtig: Die individuelle Erinnerungsleistung verdient Respekt und das „Vetorecht der Quellen“ (Reinhart Koselleck) gilt auch gegen Zeitzeugen.

Den lebensgeschichtlichen Erinnerungen der mittleren und älteren Generation, zumal in Ostdeutschland stehen auf der anderen Seite neue Generationen in den alten Bundesländern gegenüber, für die diese Zusammenhänge bei der Bewertung der DDR-Vergangenheit völlig undurchschaubar ist. Während im politischen Raum historische Argumente und Verantwortlichkeiten hin- und her gewiesen werden und in der medialen Berichterstattung oft einseitige Skandalisierung und Emotionalisierung dominiert, versuchen die Lehrpläne der Schulen durchaus, die Erfahrungen der DDR-Geschichte zu bewahren und in das historische Bewusstsein der nachwachsenden Generationen zu integrieren.
Studien der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, des Deutschen Instituts für Internationale Pädagogische Forschung und des Deutschen Geschichtslehrerverbands zeigen allerdings, dass in diesem Sektor beträchtliche Defizite und Lücken zu konstatieren sind, so dass ein zu Teilen lückenhaftes und damit fehlerhaftes Geschichtsbild entsteht.
Dieser Aspekt gewinnt gerade jetzt an Bedeutung, da jüngste Ergebnisse einer repräsentativen Schülerbefragung durch SED-Forscher der Freien Universität Berlin in mehreren ost- und westdeutschen Bundesländern eine erschreckende Unwissenheit über die Machtausübung der herrschenden Partei (SED) und deren Unterdrückungsmechanismus in der ehemaligen DDR dokumentieren, die verbunden ist mit einer sozialromantischen Verklärung der persönlichen Lebensverhältnisse. Auch diese Forschungsergebnisse hat die Kultusministerkonferenz im Juni 2008 bewogen, für die Jahre 2009 und 2010 verstärkte Impulse für eine Verbesserung des Wissensstand der Schüler zum Thema SED-Diktatur, friedliche Revolution und deutsche Einheit zu geben, u. a. durch Projektwochen an den Schulen. Hierzu mit dem vorgestellten Projekt einen gewichtigen Beitrag zu leisten, ist eines unserer Ziele.

Im Land Nordrhein-Westfalen schafft der Lehrplan für Geschichte in der Sekundarstufe II eine klare curriculare Anschlussfähigkeit für eine solche Intensivierung der Aufklärung über die SED-Diktatur. Von den nur drei als „unverzichtbar“ markierten Unterrichtsinhalten stehen nämlich zwei ganz wesentlich in einem Bezug zur Geschichte der DDR. Es sind dies – neben der NS-Herrschaft –die Gegenstände

  • „Europäisches Rechts-, Staats- und Freiheitsdenken. Die Menschen- und Bürgerrechte“,
  • und: „Die Deutsche Frage und die Überwindung der deutschen Teilung“.

Selbstverständlich umgreifen beide Themen ein sehr viel weiteres Feld als die Geschichte der DDR, doch sind sie an ihr vorzüglich zu exemplifizieren. Es versteht sich, dass die deutsche Teilung und ihre Überwindung im Prozess der friedlichen Revolution und Vereinigung substantiell nur dann umfassend charakterisiert und gewürdigt werden kann, wenn der Unrechts- und Gewaltcharakter der DDR hinreichend deutlich gemacht ist. Hinsichtlich des Punkts Freiheitsdenken und Menschenrechte rückt neben der zeithistorischen Information und Aufklärung über den SED-Staat auch die Aufgabe in den Mittelpunkt, normative Werte wissenschaftlich und emotional zu fundieren. Angesichts aktueller Befunde, die eine wachsende und zu Besorgnis Anlass gebende Demokratieferne zahlreicher (auch westdeutscher) Bevölkerungsgruppen konstatieren, ist hier ein wichtiges Handlungsfeld der politischen Bildungsarbeit markiert.
Daraus resultiert, dass neben dem noch am häufigsten (auch über die Medien) behandelten DDR-Thema Staatssicherheit auch Elemente des Herrschaftssystems, die selten Aufmerksamkeit finden, in den Mittelpunkt von Bildungsangeboten rücken, wie etwa:

  • die politische Strafjustiz und die politischen Haftanstalten,
  • die Ideologisierung und Illiberalisierung des Alltags in Schule, Beruf, Freizeit und Kultur,
  • das über Jahrzehnte gewachsene Grenzregime, etwa mit den Ausweisungen und erschwerten Lebensverhältnissen in den Sperrzonen entlang der innerdeutschen Grenze
  • die Vorenthaltung wichtiger Menschen- und Bürgerrechte in vielen Lebensbereichen – von der Freizügigkeit und Reisefreiheit über das Post- und Fernmeldegeheimnis bis zur freien gesellschaftlichen Teilhabe und einer auf freien Wahlen basierenden politischen Partizipation.

Aufgabe der verstärkten Beschäftigung mit der DDR-Geschichte soll es nun nicht sein, die Gräben in Deutschland zu vertiefen und die asymmetrische Struktur des historischen Erinnerns in Deutschland zu zementieren nach dem Prinzip: hier die gute westdeutsche Vergangenheit, dort die böse DDR-Geschichte. Bei aller Betonung des Gewaltcharakters des Regimes ist die Lebensleistung der Menschen, die es ertragen und schließlich überwunden haben, zu würdigen. Gerade im Gespräch mit Menschen, die selbst in der DDR gelebt haben, also in dem hier angeregten Zeitzeugenkonzept, fällt der oft problematische Beigeschmack eines (rein westdeutschen) Redens über die andere Seite weg. Es wird deutlich werden, dass gerade ostdeutsche Demokraten und Bürgerrechtler besonders hohe Maßstäbe auch an die Demokratie im gesamten Deutschland anlegen und dass von ihren Erfahrungen im demokratischen Rechtsstaat zu lernen ist. Ein letztes historisch-politisches Argument für eine verstärkte Integration der ostdeutschen Erfahrungen im historischen Bewusstsein auch der westdeutschen nachwachsenden Generationen ergibt sich aus dem Anspruch auf Europafähigkeit: Gerade in einem immer stärker zusammen wachsenden Europa ist es wichtig, auch im „Westen“ Kenntnis von und Empathie für die Lebensverhältnisse in den kommunistischen Diktaturen zu entwickeln, die hier zwei bis drei Generationen geprägt haben. Ein Drittel der EU-Staaten ist inzwischen von diesen Erfahrungen geprägt, und auch Deutschland gehört als vereintes Land dazu.

III. Zur Praxis der Zeitzeugenarbeit

Vor dem Hintergrund dieser Überlegungen regt die Gemeinschaft ehem. Politischer Häftlinge – Vereinigung der Opfer des Stalinismus e. V. (VOS), Landesverband Nordrhein-Westfalen an, auf der Basis von mit anderen Opferverbänden abgestimmten und ergänzten Angeboten ein Konzept von Zeitzeugengesprächen für Bildungsinstitutionen in Nordrhein-Westfalen, vornehmlich zunächst Schulen (Sekundarstufe II) zu entwickeln. Damit soll angeboten werden, die schulische und außerschulische politische Bildung um neue Möglichkeiten der Information und Diskussion über DDR-Geschichte und politische Werte zu bereichern. Es soll eine Palette von Zeitzeugengesprächen mit klaren thematischen Fragestellungen entwickelt, angeboten und praktisch gestaltet werden. Eine Reihe erster Kontakte mit Schulen und Bildungseinrichtungen in NRW hat gezeigt, dass hierfür ein nachdrückliches Interesse und ein großer Bedarf bestehen.
Als notwendiges Element wird eine wissenschaftliche Begleitung der Zeitzeugengespräche für unverzichtbar gehalten. Dazu schlägt der VOS - Landesverband NRW das an der Ruhr-Universität Bochum angesiedelte Institut für Deutschlandforschung (IDF) vor. Durch seine langjährige Arbeit als älteste Vereinigung von Opfern und Widerstandskämpfern gegen die SED-Diktatur (Gründung 1950) verfügt der VOS sowohl über die hinreichende fachliche Kompetenz als auch über weitreichende politische und gesellschaftliche Wirkungskraft, um ein solches Unternehmen auf der Basis der eigenen Mitgliedschaft und in Kooperation mit weiteren Opferverbänden und Partnerinstitutionen zu gestalten und zu leisten, wie zum Beispiel

  • das Bautzen Komitee e.V.
  • den Bund demokratischer Widerstandskämpfer in NRW
  • den Frauenkreis ehemaliger Hoheneckerinnen

Das Institut für Deutschlandforschung (IDF) befasst sich seit 1989 in Forschung und Lehre mit der DDR-Geschichte und ihrer Wahrnehmung im vereinten Deutschland, und es hat sich in mehreren Projekten auch mit der besonderen Situation der SED-Opfer im vereinten Deutschland auseinandergesetzt sowie zahlreiche Zeitzeugenveranstaltungen durchgeführt.
Die Arbeit mit den Zeitzeugen soll und darf keine zufällige oder beliebige Unterbrechung des Unterrichts darstellen oder gar die Aufgabe haben, völlig unbekannte Zusammenhänge und Faktenwissen ausschließlich und an Stelle des „normalen“ Unterrichts zu vermitteln. Sie soll also den Unterricht nach Möglichkeit nicht ersetzen, sondern konkretisieren und zu einem lebendigen, persönlichen Erlebnis machen.
Die Entwicklung des Angebots richtet sich nach den Kriterien der curricularen Relevanz, der wissenschaftlichen Bedeutung (Signifikanz), der Kompetenz der Zeitzeugen – verstanden als individuelle Befähigung (und Willen) über wesentliche Abschnitte der DDR-Geschichte bzw. der Erfahrung von Gewalt, Diktatur, Unfreiheit und. Freiheitskampf zu berichten – sowie schließlich die Gültigkeit zusätzlichen Informations- und Quellenmaterials. Die entscheidende Achse im folgenden Schaubild, das dieses Wechselverhältnis darstellen will, ist also das Verhältnis von Lehrplanfähigkeit des Angebots und real gegebenem Zeitzeugen-Angebot einer reflektierten und methodisch anschaulichen Darbietung der eigenen Lebensgeschichte, die sich der kritischen Überprüfung durch wissenschaftliche Begleitung aussetzt und auch in ein weiteres Quellenfeld integrierbar sein sollte.

BILD

Die wichtigste Voraussetzung für die erfolgreiche Umsetzung dieses Konzepts ist das Angebot von Persönlichkeiten, die es mit Leben erfüllen, die also bereit sind, ihre eigenen biographischen Erfahrungen im Gespräch mit Schülern und anderen Interessierten vorzustellen. Dem VOS - Landesverband liegen bereits eine ganze Reihe belastbarer Zusagen für die geplanten Zeitzeugengespräche vor. Verbindlich haben sich folgende frühere politische Häftlinge ihre Bereitschaft für eine Präsentation als Zeitzeuge gegeben:

  • Detlef von Dechend, Düsseldorf
  • Klaus Gabel, Unna
  • Günter Göbel, Herdecke
  • Dr. Hans-Ulrich Klose, Korschenbroich
  • Hartmut Manzelmann, Mülheim / Ruhr
  • Hans Marquardt, Hilden· Harald Möller, Ostheim
  • Eva Maria Neumann, Aachen
  • Lothar W. Otter, Bad Herzburg
  • Bernd Pieper, Gütersloh
  • Dieter Rother, Essen

Darüber hinaus sind eine große Zahl weiterer Persönlichkeiten anzusprechen und vsl. ebenfalls bereit, an einem solchen Projekt mitzuwirken. Die Liste möglicher Zeitzeugen wird entsprechend weiterer Angebote aktualisiert.
Natürlich vermag nicht jeder der hier genannten Persönlichkeiten über sämtliche wünschenswerten Aspekte des Lebens in der SED-Diktatur Auskunft erteilten. Ohnehin muss in einer sorgfältigen Vorbereitung erkundet werden, welche Gegenstände zunächst als thematische Schwerpunkte (vgl. Anhang I: Module) von welchen Persönlichkeiten vorrangig dargestellt werden können. Es ist also zu vermeiden, die Zeitzeugen zu überfordern und von ihnen eine Universalauskunft zu erwarten. Das gilt aber auch umgekehrt, d. h., die Zeitzeugen sollten davor bewahrt werden, sich selbst zu überfordern. An dieser Stelle ist die Begleitung des Projekts durch eine wissenschaftliche Institution ebenfalls sehr hilfreich. Sie kann Impulse geben und Maßstäbe bewahren helfen, aber auch durch eine intensive Vorbereitung der Zeitzeugengespräche in den Schulen den Zeitzeugen helfen, ihre eigene Kompetenz zu erkennen und zu strukturieren. Die entscheidende Leistung liegt freilich bei den Zeitzeugen, die ein ganz individuellen Zugang zur Geschichte eröffnen, als Gesprächspartner der jungen Generation mit ihren Fragen und Zweifeln zur Seite tritt und so als mögliche Vorbilder für demokratisches Engagement wirken können.

Anhang I - Zur praktischen Umsetzung: Internetgestützte Datenpräsentation (mit Diskussionsforen)/Module zur Gestaltung der Zeitzeugengespräche

Es wird vorgeschlagen, für die Arbeit mit den Zeitzeugen in Schulen und anderen Einrichtungen der politischen Bildung, eine Auswahl vornehmlich an inhaltlichen Themenstellungen orientierte „Module“ zu schaffen. Außerdem wird eine internetgestützte Datenpräsentation (Faktenübersichten, Zeittafeln, Glossar, Quellenauswahl, bibliographische Hinweise, didaktische Anregungen) mit einem Diskussionsforum durch die VOS (LV NRW) geschaffen, die vom IDF inhaltlich beratend unterstützt wird. Die Internetpräsentation hält zu den folgenden Modulen Grundinformationen und Materialien für den Einsatz im Unterricht (Vor- und Nachbereitung der Zeitzeugengespräche) bereits und schafft mit der Diskussionsplattform ein Gesprächsforum zur Nachbereitung der Zeitzeugengespräche.

Die Gestaltung der Module wird im Einzelnen beinhalten:

  • eine curriculare und didaktische Konzeption (Beschreibung der Relevanz des Themas und der Formen, sie im Unterricht bzw. in der politischen Bildung einzubringen),
  • die Benennung von einem oder mehreren Zeitzeugen, der oder die bereit und in der Lage sind, zu diesem Thema mitzuarbeiten (unter Bezug auf das Angebot des VOS -Landesverbandes und weiterer Persönlichkeiten),
  • die Sammlung ergänzender Materialien, vor allem eine kurze, auf aktuellem wissenschaftlichen Stand befindliche Darstellung, sowie gedrucktes Quellenmaterial (z. B. die Verwendung von „Info-Koffern“, wie sie bereits bei Schulungen über Rechtsextremismus verwendet werden )
  • die Präsentation der ausgewählten Zeitzeugen im Internet auf einer eigenen Homepage, die in Foren Fragen und Diskussionen an und mit diesen Zeitzeugen ermöglicht
  • ggf. die Erschließung weiterer Materialien, die zur Einführung oder zur Vertiefung des Themas geeignet sind (z. B. Filme).

Vorgeschlagen wird die Entwicklung von zunächst drei bis fünf Modulen. Curricular (in Bezug auf die o.g. beiden unverzichtbaren Punkte) einschlägig und didaktisch umsetzbar sowie durch neuere wissenschaftliche Forschung darstellbar erscheinen die folgenden Beispiele, wobei nur für das erste Beispiel eine umfassendere Auffächerung durch Leitfragen und inhaltlichen Andeutungen möglicher Schwerpunkte gegeben werden soll.

  1. „Im DDR-Knast“: Politische Strafjustiz und Haftbedingungen politischer Gefangener in der DDRIm Mittelpunkt des Moduls stehen individuelle Hafterfahrungen. Lebensbedingungen in der politischen Strafhaft der DDR werden vornehmlich in synchroner Darstellung (d. h. bezogen auf je einen Fall), nach Möglichkeit aber auch in der diachronen Spiegelung (z. B. Hafterfahrungen in den 1950er und 1980er Jahren) diskutiert. Warum kamen Menschen in der DDR aus politischen Gründen ins Gefängnis? Was waren ihre „Taten“, was waren ihre „Motive“, sich möglicher politischer Verfolgung auszusetzen? Wie sah ein Strafprozess aus, was ging ihm voraus (Untersuchungshaft, Verhöre, subtile und offene Folter)? Wie verlief das Leben im „Knast“ (Verpflegung, Arbeit, Hoffen auf Amnestie, Verhältnis zu anderen Gefangenen, z. B. den Kriminellen oder Zellenspitzeln usw.)? Welche gesundheitlichen Folgen hatte die Haft, wie ist sie psychologisch „verarbeitet“ worden. Welche politischen Schlussfolgerungen haben die Opfer aus diesen Erfahrungen gezogen? Wie ging es nach der Haftentlassung weiter? (Entscheidung in der DDR zu bleiben, in den Westen zu gehen, Leben als ehemaliger Häftling in der DDR).

  2. „Überall Mauern“: Ausbruchsversuche aus der gesellschaftlichen Illiberalität der DDRHier werden u. a. die Themen „Flucht“ (mit all seinen Schattierungen und je individuellen Ausprägungen) und das Grenzregime zu behandeln sein, aber auch die zunehmend von der Wissenschaft geforderte Alltagsgeschichte kann hier (s.a. Nr.3) aufgegriffen werden.

  3. „Alltägliche Gewalt“: Repressionserfahrungen in Schule, Jugend, Beruf, FreizeitDie Durchherrschung des Alltags kann mit unterschiedlichen zeitlichen Schwerpunkten (wiederum möglicherweise Spiegelung durch zwei Zeitzeugen) an besonders jugendnahen Beispielen gezeigt werden, z. B. die feste Integration der FDJ in die Schule und die Freizeitgestaltung.

  4. „Opposition“: Formen gesellschaftlicher und politischer ResistenzAuch hier ist wieder an ein breites Spektrum oppositionellen Verhaltens zu denken: von spektakulären individuellen und kollektiven Widerstandsakten bis hin zum alltäglichen Nein-Sagen oder zur inneren Emigration, dem viel diskutierten „Rückzug in die Nischen“.

  5. „Aufarbeitung und Erinnern“: Verarbeitung von DiktaturerfahrungenVor wie nach 1989 sind in literarischer wie autobiographischer Form Texte zur DDR-Geschichte vorgelegt worden, die anschaulich und anrührend Erinnerung gestalten. Sie können und müssen das Angebot der Zeitzeugengespräche ergänzen und bereichern. Hier ist aber zunächst danach zu fragen, welche Bedeutung das Reden über das Vergangene für die Betroffenen selbst hat, inwieweit sie damit gesellschaftlich wirken wollen und inwieweit es um die persönliche Abarbeitung belastender Erinnerung geht.Die Auswahl der Beispiele (die geändert und ergänzt werden kann) orientiert sich an dem vom Lehrplan Geschichte gesetzten Rahmen mit den Schwerpunkten „deutsche Frage“ (vor allem die Nr. 1, 2 und 5) und „Menschen- und Bürgerrechte“ (vor allem Nr. 1, 3 und 4). Aber es ergeben sich auch Bezugspunkte zu anderen Fächern, vornehmlich zur Sozialkunde /Politikunterricht sowie zum Fach Deutsch (z. B. Nr. 5). Entscheidend für die wissenschaftliche Begleitung des Projekts ist die Unterstützung der Zeitzeugengespräche durch die Bereithaltung ergänzender Materialien (kurz gefasste Auszüge zum aktuellen Forschungsstand sowie Arbeitsmaterialien wie schriftliches Quellenmaterial oder Filme). Weitere Elemente der Vorbereitung und Gestaltung des Projekts ergeben sich aus der praktischen Arbeit. Sie sind im folgenden Zeit- und Kostenplan (Anhang II) kurz charakterisiert, so dass sie hier nicht im Einzelnen aufgeführt werden müssen. Hervorgehoben sei aber der Bedarf eines Koordinationszentrums, das beim Institut für Deutschlandforschung als der unabhängigen wissenschaftlichen Begleitstelle des Projekts geschaffen werden kann. Für diese Koordinationsarbeiten – also die fortlaufende Kommunikation mit den Zeitzeugen und den „Nachfragern“ des Angebots, die entsprechende Werbung bzw. Information von Schulen und Schulträgern sowie Einrichtungen der politischen Bildung, die Erarbeitung von Materialien zur Begleitung der thematischen Schwerpunkte sowie die Berichterstattung und dauernde Revision der Arbeiten – ist eine erfahrene und im Projektmanagement wie der DDR-Forschung ausgewiesene Persönlichkeit unverzichtbar.

Anhang II: Zeit- und Kostenplan

1. Vorphase (Start- und Testphase): Oktober bis Dezember 2008

Für diese explorative Vorphase hat die Landeszentrale für politische Bildung NRW dem Landesverband NRW der VOS die erforderlichen Fördermittel bereitgestellt, so dass die hier angestrebten Arbeitsschritte grundsätzlich gesichert sind, aber wertlos bleiben, wenn sie für 2009 und 2010 nicht in eine sichere Arbeitsform überführt werden können.
Das betrifft insbesondere die wissenschaftliche Begleitung durch das Institut für Deutschlandforschung der Ruhruniversität Bochum. Es gilt die folgenden Arbeitsschritte – sie sind jeweils nur als Ansätze zu verstehen, die 2009 weitergeführt und praktisch erprobt werden müssen – angesichts der kurzen Zeitvorgabe mehr oder weniger simultan zu gestalten:

  • Aufbereitung des Forschungsstands zur Vermittlung von DDR-Geschichte in der Schule (inkl. Zeitzeugenarbeit).
  • Curriculare und schulrechtliche Aufbereitung dieses Arbeitsfelds für Nordrhein-Westfalen.· Aufbau eines Kontaktnetzes – Schulen, Schulverwaltungen, außerschulische politische Bildung (Jugend- und Erwachsenenarbeit) – mit Prüfung des Interessenstands und des Bedarfs („Nachfrage“) sowie rechtlicher Aspekte.
  • Vorgespräche mit Zeitzeugen, die an dem Projekt mitwirken: Feststellung von „Kompetenzen“ (Worüber können einzelne Z. informieren?), Bereitschaft (Worüber wollen einzelne Zeitzeug. sprechen?) und Fähigkeit (Zugang zu Jugendlichen, räumliche, zeitliche oder sonstige Einschränkungen).
  • Konsultation mit Fachdidaktikern der Bereiche Geschichte, Politik/Sozialkunde, Deutsch zur Differenzierung des Angebots an Materialien und didaktischen Impulsen.· Aufbau einer Internetseite (Grundform)· Entwicklung eines Materialfundus für Begleitmaterialien (Reader bzw. Handout-Materialien, Folien, AV-Medien).
  • Entwicklung thematischer Schwerpunkte (ein Modul).
  • Entwicklung methodischer Modelle.

Ende November oder Anfang Dezember kann dann versucht werden, eine erste praktische Testphase vorzunehmen:

  • 2-3 Durchführungen eines Probe-Moduls, d. h. Gestaltung einzelner Zeitzeugengespräche in begleiteter Form (mit Material und Hospitation des wiss. Teams).
  • Offen bleibt die Frage einer Dokumentation der Probe-Module. Vorgeschlagen wird eine empirische Auswertung der Erprobungsphase (Fragebogen) und eine summarische Dokumentation (kein „Mitschnitt“, da dies ein zusätzlicher Störfaktor ist), aus der sich die Rekonzeptualisierung der Schwerpunkte und die Revision des Materials ergibt.

2 . Erste Projektphase (Erprobung): März bis Juni und September bis November 2009

Die in der Vorphase begonnenen Aufgabenbereiche können jetzt fortgeführt und angewandt werden. Es finden eine fortlaufende Überarbeitung des Konzepts, die Fortführung (und Erweiterung) der Netzwerk-Arbeit mit Zeitzeugen und Nachfragern sowie eine ständige Ergänzung des Materials und ein fortlaufender Ausbau des Internetangebots (Informationen, Material, Diskussionsforum) statt. Im einzelnen erscheint dafür die folgende zeitliche Differenzierung erforderlich:

März bis Juni 2009

  • Info – Stand bei der DIDACTA in Hannover 02 / 2009
  • Evaluation der Testphase ( empirische Auswertung ),
  • Entwicklung neuer Probe – Module mit Material, Fortführung des Aufbaus der Internetseite
  • Regionale Ausweitung des Angebots durch ca. 5 - 10 Zeitzeugengespräche (Modulen) mit wiss. – empirische Begleitung,
  • Internetseite mit Diskussionsforum ist arbeitsfähig

September bis November 2009

  • Auswertung der bisherigen Erfahrungen und Umsetzung in der Gestaltung der Zeitzeugenmodule
  • Fortführung der regionalen Ausweitung ( 5-10 Zeitzeugengespräche) mit wiss.- empir. Begleitung
  • Zwischenbericht zum Stand des Projektes.

3. Zweite Projektphase (Ausweitung): Januar bis Dezember 2010

Die 2008 begonnene, 2009 systematisch durchgeführte Projektarbeit wird ausgeweitet durch neue Partner (auch Zeitzeugen mit anderen DDR-Erfahrungen) und durch neue Zielgruppen (weitere Schulen, vor allem außerschulische Bildungsträger, Erwachsenenbildung, Universitäten). Das Projekt wird öffentlich präsentiert (Bildungs- und Jugendmessen) und die Übertragung auf andere Bundesländer und weitere Förderträger wird initiiert. Die wissenschaftlich entwickelten Begleitmaterialien sowie die wissenschaftliche Begleitung der Zeitzeugen werden weiterhin fortgeführt, müssen aber nur noch ergänzt und aktualisiert, nicht grundständig weiter ausgearbeitet werden. Der Bedarf an wissenschaftlicher Begleitung besteht also fort, kann aber im Umfang (und damit kostensparend) stark reduziert werden.

  • Januar bis Dezember 2010
    Erweiterung des Angebots durch weitere Zeitzeugengespräche, z. T. mit neuen Zeitzeugen und neuen Zielgruppen (entsprechende Aufbereitung der Materialien).
  • Februar / März 2010 (vsl.)
    Präsentation des Projekts auf der Bildungsmesse DIDACTA vsl. in Köln (Termin der Messe steht noch nicht fest).
  • Dezember 2010
    Abschlussbericht mit Vorschlägen zur (selbsttragenden) Weiterführung / Übertragbarkeit auf andere Bundesländer.

Die für die Projektrealisierung erforderlichen Mittel müssen überwiegend bei öffentlichen Trägern rechtzeitig beantragt werden.Hier sind vorrangig die Landeszentrale für politische Bildung NRW sowie die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED –Diktatur in Berlin zu nennen. Aber auch weitere Stiftungen sollten dazu angesprochen werden.
Als Eigenleistungen stellt das IDF den Arbeitsplatz des wiss. Mitarbeiters (Büro, apparative Ausstattung), Kosten für Telekommunikation, Porto, Materialgestaltung, Recherchen (Bereithaltung wiss. Literatur / Bibliotheken). Der VOS-LV NRW sichert die fortlaufende Kooperation der Zeitzeugen durch Kommunikation und Korrespondenz sowie Technik und Rechtsbasis der Internetpräsentation ab.